Die Jobcenter - Aktion findet seit Septmber 2007 in unserem Bezirk statt. Wir treffen uns jeden ersten und dritten Dienstag im Monat vor dem Jobcenter Tempelhof - Schöneberg in der Wolframstraße 89 - 92, von 10.00 Uhr - bis 11.00 Uhr und jeden ersten und dritten Donnerstag, v. 17.00 Uhr - 19.00 Uhr und verteilen Flyer und unsere Bezirkszeitung "Die Lupe". Verbindung: U6 bis Ullsteinstraße
AnsprechpartnerInnen:
„Vielen Dank für die Information – ich werde kommen.“ Eine Dame mittleren Alters hält den Hartz IV -Flyer in der Hand, lässt sich nochmal die Telefonnummer der Geschäftsstelle Die Linke. in der Feurigstraße nennen und eilt dann in Richtung U – Bahnhof Ullsteinstraße. Neugierig greifen nun auch andere Passanten zu. Ein jüngerer Mann mit Motorradhelm in der Hand hält kurz inne: „Die Linke. Kenn ick schon. Sie stehen doch öfters hier“. Ja, jeden zweiten Dienstag und Donnerstag im Monat. Manchmal stehen wir zu dritt, oft auch zu viert vor dem JobCenter in Tempelhof und werben für unsere Hartz IV -Beratungsgespräche. Jeder zweite greift nach unseren Flyern und Broschüren, jeder sechste beginnt mit uns ein Gespräch. Oft sind es nur kurze Bemerkungen. Doch unser seit 1 1/2 Jahren währendes zähes Stehvermögen zahlt sich zunehmend aus. Immer mehr der in die Hartz IV – Losigkeit Verurteilten gewinnen Vertrauen. Manche lächeln uns zu, andere wollen einfach nur reden. Loswerden wollen sie, was ihnen gerade im Jobcenter wiederfahren ist. Von langen Warteschleifen wird berichtet, von Vermittlern, die keine Ahnung haben oder den unendlichen Mühlen der Hartz – IV - eokratie. Andere wollen mehr über die Partei Die Linke. wissen, „Weshalb sie sich in Berlin gegenüber der SPD so wenig selbstbewusst verhält oder warum in Hessen so viele Mitglieder vor den Wahlen ausgetreten sind“. Wieder andere winken ab, rufen uns aber zu, “Dass sie die Linken wählen werden“.
Auch diejenigen, die mit den Vermittlungstätigkeiten ihr tägliches Auskommen verdienen, stehen unseren Aktivitäten nicht gleichgültig gegenüber. Während uns einige Mitarbeiter des Jobcenters noch mit bösen Blicken strafen, rufen andere uns schon zu, dass wir uns auch mal für sie einsetzen sollten. Viele von ihnen haben nur befristete Arbeitsverträge und wissen, dass sie bald wieder auf der anderen Seite sitzen werden.
Was sind das für Zeiten? Wo die Urteilenden von heute schon wissen, dass sie morgen selbst zu den Verurteilten gehören werden. Die Arbeitslosigkeit, ein seit Jahrhunderten bestehendes gesellschaftliches Phänomen, zermürbt nicht nur diejenigen, die keine Arbeit haben, sondern auch jene, die noch eine haben. Arbeitslosigkeit führt nicht nur zu materieller Armut Einzelner, sondern zerstört das gesellschaftliche Klima. Da bisher kein politisches Kraut dagegen gewachsen ist, muss der gesellschaftliche Diskurs hierüber endlich beginnen.
Auch wenn wir den einen oder den anderen noch zu unseren Hartz IV – Beratungen ermutigen konnten, so sind uns doch die Grenzen einer individuellen Unterstützung bewusst. Doch die weitergehende Forderung, nach der Hartz IV weg muss, stößt bei denen, die wir vor dem Jobcenter antreffen, nur auf geringe Akzeptanz. Unvorstellbar scheint für viele Betroffene geworden zu sein, dass es alternative Konzepte zu Hartz IV gibt. Auch wenn Forderungen wie die nach einem existenzsichernden Grundeinkommen gesellschaftlich nicht mehrheitsfähig sind, ist ihr gegenwärtiger politischer Nutzen nicht hoch genug einzuschätzen. Diese Anstöße braucht es, um Menschen die Zuversicht zu vermitteln, dass es zu Hartz IV machbare Alternativen gibt.
(Erschienen: März-Lupe 2009)