Kairo, den 30. Dezember – Zusammen mit Hedy Epstein, der 85 jährigen Holocaust-Überlebenden, sind auch zwei Deutsche zusammen mit einer internationalen Delegation von etwa 100 TeilnehmerInnen heute morgen in Bussen aus Kairo abgefahren, um am Gaza Freedom March in Gaza am 31.12.2009 teilzunehmen. Die zwei deutschen Delegierten, die nach Gaza fahren, sind Alexandra Safi und Marco Görlach. Beide sind heute morgen um 7 Uhr abgereist. Die anderen vierzig deutschen TeilnehmerInnen bleiben mit etwa 1.300 in Kairo zurück.
Gestern Nachmittag hat die ägyptische Regierung überraschend die Erlaubnis erteilt, dass 100 Delegierte sofort nach Gaza fahren dürfen. Die ägyptischen Behörden hatten am 20. Dezember alle Reisen von Ausländern über die Grenze nach Gaza verboten, wodurch viele Proteste in Kairo und auch international ausgelöst wurden. Viele, die versuchten nach Gaza zu reisen, wurden durch die ägyptische Polizei zurück nach Kairo gebracht, darunter 14 Deutsche.
Nachdem Epstein und viele andere Delegierte gestern in den Hungerstreik traten, hat die ägyptische Regierung gestern am späten Nachmittag die Erlaubnis für eine sehr begrenzte Teilnehmerzahl erteilt. Delegierte von Österreich, Australien, Belgien, Bosnien, Bulgarien, Brasilien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Indien, Irland, Italien, Malta, Mauritius, Norwegen, den Philippinen, Portugal, Serbien, Südafrika, Südkorea, Schweden, Schweiz, Türkei, Venezuela, UK und USA sind dabei. Am 02.01.2010 werden sie nach Kairo zurückreisen.
1939 musste die damals vierzehnjährige Hedy Epstein Deutschland mit dem Kindertransport nach England verlassen. 1942 wurden ihre Eltern im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Im Nürnberger Tribunal hat Epstein als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Prozessen gegen Nazi Ärzte mitgearbeitet. In die USA immigriert, wurde Epstein eine Friedens- und Gerechtigkeitsaktivistin. Sie bringt nach Gaza humanitäre Hilfsmittel mit, die sie gesammelt hat.
"Es ist wichtig den belagerten Menschen in Gaza wissen zu lassen, dass sie nicht allein sind," sagte Epstein. "Ich möchte den Menschen, die ich in Gaza treffe, sagen, dass ich eine Vertreterin von vielen Menschen in meiner Stadt und anderswo in den USA bin, die entsetzt darüber sind, was die Regierungen der USA, Israel, und den europäischen Ländern den Palästinenser antun und ihnen auch sagen, dass wir immer mehr werden."
"Wir begrüßen es, dass die ägyptischen Behörden es erlaubt haben, eine wenn auch nur begrenzte Zahl von TeilnehmerInnen nach Gaza einreisen zu lassen," sagte Ute Lampe aus Braunschweig, eine Sprecherin der deutschen Delegation. "Wir setzen uns weiter dafür ein, dass alle nach Gaza fahren dürfen, um am Gaza Freedom March teilzunehmen."
Am 31.12. werden die zurückgebliebenen TeilnehmerInnen voraussichtlich einen Marsch in Kairo veranstalten, um die Aufhebung der Blockade von Gaza zu fordern.
"Als Mitglied der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost kann ich nicht tatenlos zusehen, wie Menschenrechte missachtet werden," sagte Edith Lutz aus Köln und nun in Kairo. "Unsere Stimme wird nicht verstummen bis die Blockade beendet ist und die Grenzen geöffnet sind."
"1989 sind wir die Mauer in Deutschland losgeworden. Jetzt kämpfen wir dafür, dass auch die Mauer um Gaza fällt," sagte Marco aus Thüringen heute morgen kurz vor seiner Abreise nach Gaza.
Stefan aus Berlin, der in Kairo bleiben muss, sagte: " Die Lehre, die wir aus der deutschen Geschichte ziehen, ist, dass immer und überall gegen Menschenrechtsverletzungen eingetreten werden muss."
Telefonische Interviews mit Frau Epstein und den deutschen und anderen Delegierten auf dem Weg nach und in Gaza sind nach Absprache möglich.