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GehDenken

Das Vorstandsmitglied Jochen Scholz war in Dreden und hat uns hierüber kurz berichtet:

Am 14. Februar nutzte die NPD erneut den Jahrestag der Luftangriffe auf Dresden im Jahr 1945 zu einem Aufmarsch von Rechtsextremisten aus ganz Europa. Rund 6000 Teilnehmer versuchten, die Erinnerung an die damals 25000 Opfer des Bombardements öffentlich für ihre Geschichtsklitterung zu missbrauchen: Die Relativierung der ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis, für die der industriell betriebene Mord an sechs Millionen Juden und der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion stehen, die über zwanzig Millionen Tote zu beklagen hatte.  

Ein Bündnis aus der Amadeu Antonio Stiftung, der Aktion Sühnezeichen, der Jüdischen Gemeinde Dresden, der Kampagne Laut gegen Nazis, des Kulturbüros Sachsen, des Superintendenten Dresden-Mitte, des Dresdener DGB und der örtlichen Parteien DIE LINKE., SPD und Bündnis 90/Die Grünen hatte dazu aufgerufen, den Rechtsextremen nicht die Stadt zu überlassen und zu einen Sternmarsch aufgerufen. Rund 12 000 Menschen aus ganz Deutschland trotzten dem eisigen Ostwind und hielten bis zur Abschlusskundgebung am Theaterplatz vor der Semperoper durch, darunter auch Genossinnen und Genossen aus Berlin. „Wir sind viel mehr“, freute sich die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. Dieser Teilerfolg wird nicht ausreichen, um die Neonazis zu stoppen, wie der brutale Überfall auf den Bus mit hessischen „GehDenkern“auf einem Rastplatz bei Jena zeigt. Die demokratische Zivilgesellschaft muss sich konsequenter wehren, überall. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) steht in der Pflicht, dem Bündnis im nächsten Jahr beizutreten.

 

Wolfgang Szepansky

Nach seiner Entlassung setzte er seine politische Arbeit fort. Anfang Januar 1934 entschied er sich aufgrund einer gegen ihn erhobenen Anklageschrift zur Emigration in die Niederlande.  Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 geriet Wolfgang erneut in die Fänge der Gestapo. Über ein holländisches Internierungslager wurde er im Oktober 1940 erst in die Steinwache Dortmund und schließlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.

Nach seiner Befreiung aus dem KZ Sachsenhausen 1945 engagierte er sich im Antifaschistischen Jugendausschuss von Tempelhof und arbeitete als Zeichenlehrer. Er erhielt jedoch 1951 als SED-Mitglied Berufsverbot. Nach langer Arbeitslosigkeit fand er endlich eine Anstellung als Klubhausleiter bei der Deutschen Reichsbahn. 

Gegen die willkürliche Aberkennung des Status als Verfolgter des Naziregimes durch den Westberliner Senat prozessierte Wolfgang fast 20 Jahre, bis ein demokratischer Richter ihm die aberkannte Entschädigung wieder zusprach. 

Jahrzehntelang war Wolfgang Szepansky als Zeitzeuge aktiv. Ob in Berliner Schulen, Universitäten oder Volkshochschulen: seine Schilderungen vermittelten den Schülern und Studenten stets eine Geschichtsstunde „von unten“. Diese Arbeit als Zeitzeuge betrachtete er als seine persönliche Pflicht – auch in Erinnerung an seine im Lager und auf dem Todesmarsch verstorbenen Kameraden.

Wolfgang unterstützte 1977 die Öffnung der VVN zum „Verband der Antifaschisten“. Gemeinsam mit den neuen jüngeren Mitgliedern war er bei Aktionen gegen Nazitreffen, gegen ausländerfeindliche und rassistische Übergriffe aktiv. Mit der Band „Sorgenhobel“ und seinem Kameraden Emil Ackermann trat er in den 80er Jahren auf zahlreichen Friedensveranstaltungen mit Liedern gegen Krieg und Faschismus auf. 

In der politischen Umbruchkrise 1989/90 war es Wolfgang, der gemeinsam mit den jüngeren Kameradinnen und Kameraden die Existenz und Weiterarbeit der VVN-VdA sicherte.

Für seine Lebensleistung wurde Wolfgang gemeinsam mit seiner Frau Gerda im Jahr 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

In seiner Autobiografie „Dennoch ging ich diesen Weg“ schildert er anschaulich die politische Situation der Emigration, der Widerständler und der nicht geglückten Einheitsfront der Linken gegen den Faschismus, aber auch den Alltag im KZ und die Leiden der Menschen. Er beschreibt auch, wie er sich mit den verschiedensten Gelegenheitsarbeiten nur mühsam und oft nur mit Hilfe solidarischer Mitmenschen über Wasser halten konnte. Seine persönlichen Erlebnisse als Sozialist beim Wiederaufbau und dem anschließenden „Kalten Krieg“ sind spannend zu lesen und zugleich ein Lehrstück über Demokratie in Westberlin. Wolfgang Szepansky war aber nicht nur Autor, Zeitzeuge und ein guter Erklärer, er war auch Künstler: Sein Buch ist mit vielen seiner Bilder, die er gemalt hat, illustriert. 

Mit Wolfgang Szepansky verliert die Berliner VVN-BdA einen aufrechten, kämpferischen und bescheidenen Freund. 

Die Trauerfeier findet am Mittwoch, den 17.9.2008, 11 Uhr, in der Kapelle des Kirchhofs Mariendorf II in der Friedensstr.12-14 in Tempelhof statt.