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05.01.2013

Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes gestartet

DIE LINKE unterstützt das Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes

Die Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld hat das Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes gestartet. Jetzt gilt es, 23 000 Unterschriften in wenigen Wochen zu sammeln.

Die Geschäftsstelle der  LINKEN in Tempelhof-Schöneberg (Feurigstraße 68) ist während ihrer Öffnungszeiten eine Anlaufstelle zur Abgabe von Unterschriften. Am Samstag den 5. Januar 2013 sammelten wir an der Julius-Leber Brücke schon über 200 Unterschriften.

 


 

30.12.2012

DIE LINKE unterstützt das Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes

Die Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld hat das Volksbegehren zum Erhalt des Tempelhofer Feldes gestartet. Jetzt gilt es, 23 000 Unterschriften in wenigen Wochen zu sammeln.

DIE LINKE  Tempelhof-Schöneberg (Feurigstraße 68) ist eine Anlaufstelle zur Abgabe von Unterschriften. Am Samstag den 5. Januar 2013 wird ein Infostand mit Unterschriftensammlung an der Julius-Leber-Brücke sein.

Sieben gute Gründe für das Tempelhofer Feld:

1. Das Tempelhofer Feld muss auch in Zukunft uneingeschränkt und unentgeltlich allen Berlinerinnen und Berlinern zur Nutzung offen stehen. Es darf nicht privatisiert werden, sondern muss in öffentlicher Hand bleiben. Nur so kann es auch für die nachfolgenden Generationen gesichert werden.

2. Das Tempelhofer Feld ist mit 386 ha die größte unverbaute Freifläche in mitten der dicht bebauten Stadt. Es ist mit seinen Wiesenflächen als Kaltluftentstehungsgebiet von besonderer Bedeutung für das Stadtklima. Es ist in das berlinweite System der Luftaustauschbahnen eingebunden. Die geplante Randbebauung wird den Luftaustausch in die angrenzenden Stadtquartiere dauerhaft negativ beeinflussen.

3. Das Tempelhofer Feld bietet Pflanzen (z. B. Trockenrasen, Frischwiesen) und Tieren (z. B. Feldlerche, Turmfalke) durch seine Größe und Weite Schutz- und Lebensraum. Um die wichtigen Lebensräume und Brutgebiete zu schützen, kommt dem äußeren Wiesenring eine wichtige Pufferfunktion zu.

4. Das Tempelhofer Flugfeld gehört zum denkmalgeschützten Flughafengebäude und ist in seiner Gesamtheit ein kulturhistorisches Zeugnis der Luftfahrtgeschichte Berlins. Um den Charakter des Flugfeldes auch in Zukunft erlebbar zu machen, sollen die beiden Start- und Landebahnen sowie der umlaufende Taxiway dauerhaft erhalten werden.

5. Das Tempelhofer Feld bietet Raum für temporäre Nutzungen und Entfaltung, für Kulturereignisse und direktes Erleben von Natur und Weite, das die Berlinerinnen und Berliner sonst nur im Umland genießen können. Wir Berlinerinnen und Berliner wollen uns auch weiterhin uneingeschränkt in der Weite des Tempelhofer Feldes frei bewegen können, Fahrrad fahren, Kiten, Skaten, Windsurfen, u.v.a.m., uns vom Wind durchpusten lassen oder einfach nur zusammen Picknicken. Deshalb ist es wichtig, dass das Land Berlin die Berlinerinnen und Berliner in die Umsetzung dieses Gesetzes und in die Verwaltung des Feldes einbezieht und hierzu im Sinne einer echten Partizipation geeignete Verfahren entwickelt.

6. Durch Ihre Unterschrift für das Volksbegehren praktizieren die Bürgerinnen und Bürger direkte Demokratie und sichern Ihren Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des Wiesenmeers auf dem Tempelhofer Feld. Die bei Erfolg ersparten Haushaltsmittel für Planung, Erschließung und Gestaltung können für die wirklich wichtigen Aufgaben jetzt und in Zukunft eingesetzt werden.

7. Das Tempelhofer Feld ist Raum der Begegnung aller sozialen Schichten und Kulturen. Es ist ein Ort, auf dem ein friedliches Miteinander von aktivem und passivem Erleben von Stadtbewohnern und Stadtnatur möglich ist.  Mehr

 


 

24.03.2012

„Die Menschen wollen den Park wie er ist.“

Katrin Lompscher, Wohnungspolitische Sprecherin der LINKEN im Abgeordnetenhaus von Berlin, war bis Oktober 2011 Senatorin für Umwelt und Verbraucherschutz. Ökologische Untersuchungen auf dem Tempelhofer Feld  fielen in ihr Ressort.

Thomas Hinrichsen.: Welche klimatische Bedeutung hat das Tempelhofer Feld für den Luftaustausch in Berlin?

Katrin Lompscher: Zwar sind die Untersuchungen zu Tempelhof seinerzeit nicht in der Umweltverwaltung gemacht worden. Das ändert aber nichts daran, dass die klimatische Bedeutung des Tempelhofer Feldes gar nicht unterschätzt werden kann. Vor allem für die Abkühlung und für die Luftreinhaltung ist die große Freifläche ein Segen für die Stadt

TH: Bleibt diese klimatische Funktion erhalten, wenn bis zu einem Drittel der Fläche des Feldes bebaut werden soll, wie der Senat es will?

KL: Hier ist die Rechnung ganz einfach: Je mehr Versiegelung und Bebauung, desto geringer die klimatische Wirkung.

TH: Der Senat hat noch zu Zeiten der alten Koalition aus CDU und SPD, unter Peter Strieder, Gutachten vorgelegt, die genau das Gegenteil besagen.

KL: Alte Gutachten, zumal wenn sie nicht transparent erstellt worden und öffentlich  zugänglich sind, helfen uns in den aktuellen Debatten nicht weiter. Soweit ich die Lage beurteilen kann, besteht bisher kein Konsens über die weitere Entwicklung. Dennoch treibt der Senat seine  Planungen unbeirrt voran und plant Millionenbeträge schon in den nächsten 2 Jahren für Baumaßnahmen ein. Das geht nicht.

TH: Die Menschen haben von dem riesigen Feld Besitz ergriffen, indem sie es in der jetzigen Größe zur Erholung, zum Sport, zum Hundeauslauf  und zur Geselligkeit nutzen.

KL: Das ist auch meine Beobachtung. Und es zeigt, was die Menschen wollen. Deshalb hat DIE LINKE ja schon in ihrem Wahlprogramm gefordert, dass alle weitergehenden Überlegungen und Planungen kritisch überprüft werden.

TH: Die Bürgerinitiative  „100 % Tempelhofer Feld“ hat einen Gesetzentwurf für ein Bürgerbegehren veröffentlicht, der das Feld in seiner Gesamtheit erhalten soll.

KL: Ich verstehe diesen Vorschlag als wichtigen und notwendigen Beitrag zur Debatte um die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Die jetzt konzipierte Baufeldentwicklung ist aus meiner Sicht deutlich überzogen.  Allerdings will ich als gelernte Stadtplanerin nicht für alle Ewigkeit ausschließen, dass es sinnvolle Ergänzungsbauten geben könnte, zum Beispiel für soziale Zwecke.

 


Das Tempelhofer Feld gehört uns

DIE LINKE will freien und kostenlosen Zugang für alle Menschen zum Tempelhofer Feld und keine  wie immer geartete Randbebauung als Spekulationsobjekt.

Seit der Eröffnung am 8.Mai 2010 wird das Feld als Naherholungsgebiet, für Sport, Spiel, Musik und Grillen genutzt.

Kommen Sie mit uns ins Gespräch über die Zukunft des Tempelhofer Feldes (Eingang Oderstraße)  Am Samstag den 20.August ab 14 Uhr mit:

Jutta Matuschek (verkehrspolitische Sprecherin DIE LINKE)

Frieder Böhne (Förderverein für ein Gedenken an die NAZI-Verbrechen in und um das Tempelhofer Feld) und

den Wahlkreiskandidatinnen von Neukölln Irmgard Wurdack WK 02 und

Tempelhof-Schöneberg Elisabeth Wissel WK 04

Wir wollen keinen Bau von Luxuswohnungen. Diese würden zu Mieterhöhungen in der ganzen Nachbarschaft führen und die freie Fläche um ein Drittel reduzieren.

Den vorgesehenen Zentralbibliothek-Neubau lehnen wir ab, da es hierfür in den historischen Hallen des Flughafengebäudes genug Platz gibt.

Das Tempelhofer Feld braucht auch keine Internationale Gartenbauausstellung. Denn diese würde nicht nur die Stadt Geld kosten, sondern den Besuch dieses Areals zu einer Frage des Geldbeutels machen.

Wir wollen die Erhaltung der wohlverdienten Kleingärtner-Idyllen am Rande des Feldes.

Die Berlinerinnen und Berliner, gerade die, die es nicht so dicke haben, brauchen dieses freie Feld zur Naherholung – und wir alle brauchen die smoghemmende Kaltluftschneise dieser einmaligen Freifläche.

Die Linke fordert statt der vorgesehenen schwammigen Geschichtsmeile ein angemessenes Gedenken an die hier zur NS-Zeit begangenen Gräuel, des berüchtigten KZ Columbia-Haus und der Rüstungszwangsarbeit.

Wenn das Tempelhofer Feld nun schon offiziell Tempelhofer Freiheit heißt, muss die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger gemeint sein und nicht die von Spekulanten.

V.i.S.d.P Elisabeth Wissel c/o DIE LINKE. Tempelhof-Schöneberg, Feurigstr. 68, 10827 Berlin

 


Eine unbeschreibliche Weite!

Am Samstag, dem 26. Juni, ging ich mit einem Genossen auf das Tempelhofer Feld, um im Rahmen von „48 Stunden Neukölln“ Interviews zu machen. Daraus wurde nichts – denn das Erlebnis der Weite war so wunderbar, Wind und gedämpfte Geräuschkulisse, wie man es sonst nur an der See kennt, so durchdringend, dass wir für einige Stunden nur dasaßen – wenn auch nicht ohne politische Gespräche - und genossen!

Für Großstädter – zumal, wenn sie sich keinen Urlaub an der See leisten können – ist diese Szenerie eine solche Labsal, eine solche Erholung für Körper und Seele, dass man sagen muss, wir haben einen Schatz in Berlin. Als wir am 8. Mai zum „Tag der Befreiung“ unsere Aktionen zum Gedenken und zur Öffnung des Feldes durchführten, ließ die Spannung und der Wunsch, dass unsere Aktionen erfolgreich sein mögen, das Bewusstsein für diese Umgebung noch nicht richtig aufkommen, aber nun stellte es sich ein. Und viele Menschen genießen! Aber auch die Vielen treten sich in dieser Weite nicht auf die Füße.

Und nicht nur Sonnenhungrige geben sich in köstlicher Ruhe der Weite hin, auch bewegungsfreudige geben ihren Füßen ausgiebig Gelegenheit, aktiv zu werden, sei es beim Laufen, sei es auf Fahrradpedalen. Auch Windsurfer auf speziellen Skateboards tummeln sich. Dazu vergnügen sich auf mehreren Hundeauslaufplätzen Hunde, Frauchen und Herrchen.

Bauherren-Hände weg vom Feld!

 Aber Schätze wecken Begehrlichkeiten, und so wundert es nicht, dass immer noch Pläne im Schwang sind, die eine Eins-zu-Eins-Umsetzung des alten „Strieder-Plans“ (ehem. Bausenator) darstellen und aus der Zeit stammen, als man Berlin als „Boom-Town“ sah. Da will man viel von den Streifen am Rande bis zu der umlaufenden Rollbahn unter anderem mit Luxusquartieren zubauen und nicht nur die wundervolle Baumgallerie, die jetzt an den meisten Stellen das Feld umgibt, zerstören, sondern auch die Weite deutlich beschneiden. Zur Vorbereitung bahnt man schon Internationale Gartenbauausstellung und internationale Bauausstellung an, ein Frevel!

Wir müssen dafür sorgen, dass unser Landesverband die Kraft findet, dieser städtebaulichen Untat Widerstand entgegenzusetzen!

 


8.MAI - Tag der Befreiung

8. Mai, der Tag der Befreiung auf dem Tempelhofer Feld

Vergangenheit und Zukunft

Am 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus hat DIE LINKE dem freudigen Ereignis der Feldöffnung für die Öffentlichkeit politische Würde und Erinnern hinzugefügt. Wir haben das Gedenken an die unheilvolle Nazivergangenheit des ehemaligen Flughafens und den Blick auf die Zukunft einer bürgernahen Parknutzung miteinander verbunden.

Tempelhof-Schöneberg und Neukölln

Auf dem Tempelhofer Feld

Unsere beiden Bezirksverbände (DIE LINKE Neukölln und DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg) haben die Initiative ergriffen, die Politik auf das Feld zu bringen und Kreuzberger Genossen sowie die Abgeordnetenhausfraktion DIE LINKE haben sich angeschlossen. So gelang es auch gerade mit einem aussagekräftigen Flugblatt, den Blick klar in zwei Richtungen zu lenken. Wir haben den Besuchern in Erinnerung gebracht, wie sehr die Geschichte des Flughafens mit den Gräueln der Nazizeit verbunden ist; nicht nur durch die bedrohliche Trutzburg-Architektur seines Hauptgebäudes und durch das Columbia-KZ, sondern auch durch den brutalen Einsatz tausender Zwangsarbeiter zur Rüstungsproduktion und im Betrieb der Lufthansa im alten Flughafenbereich. An deren Schicksal haben wir mit einer symbolischen Absperraktion am alten Flughafenbereich erinnert und fordern auch für sie ein entsprechendes Mahnmal.

Bürgernahe Parknutzung und keine Bauklötze!

Wir haben auch klar gemacht, dass wir keine Zerstückelung und Bebauung wollen, sondern eine bürgernahe Parknutzung mit ökologischem Schwergewicht. Darein fügten sich wunderbar die vielen Fahrradtaxis und der Bereich der Elektromobilität auf dem Platz vor den Hallen. Dabei haben wir mit dem Einsatz eines siebensitzigen „Conference Bikes" viele Blicke auf uns gezogen und viele Besucher drängten sich, einmal mit zu fahren. Der unermüdlicher Einsatz der LINKEn hat sich gelohnt: ein gelungener Tag!

Andreas Schlüter

 


Polizei siegt im Kampf um eine Wiese

6000 Aktivisten versuchten am Sonnabend aufs umzäunte Tempelhofer Flugfeld zu gelangen

Von Markus Drescher und Martin Kröger

Sonnabendmorgen auf dem Weg zum Flughafen Tempelhof: Im Autoradio vermeldet die Nachrichtensprecherin, dass die Polizei mit einem Großaufgebot die vom linksalternativen Bündnis »Squat Tempelhof« (Deutsch: Tempelhof besetzen) geplante Besetzung des Flughafens verhindern wolle. Im Anschluss zitiert sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die fordert, auf Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu verzichten – allerdings spricht Merkel hier von den Protesten in Iran. Was als Forderung ans Ausland Recht ist, scheint im eigenen Staat noch lange nicht billig, wenn es um die Verteidigung eines acht Kilometer langen Zauns und der dahinter liegenden Freifläche geht, mit deren Besetzung eine schnelle Öffnung des Geländes für die Bevölkerung erreicht werden soll.

Bereits um 10 Uhr ist das gesamte Flughafenareal von Polizeieinheiten abgesichert, die sich vor und hinter dem Zaun in regelmäßigem Abstand postiert haben. Insgesamt 1500 Polizisten aus fünf Bundesländern samt schwerem Gerät sind im Einsatz. Rund um den Flughafen patrouillieren Streifen, über dem Gelände kreist ein Hubschrauber. Die ersten vermeintlichen linken Aktivisten, die eintreffen, werden kontrolliert.

Unterwegs sind auch Figen Izgin, Direktkandidatin der Linkspartei für den Bundestag, und Andreas Schlüter, Mitglied im Bezirksvorstand der LINKEN Tempelhof-Schöneberg. Sie verteilen Flugblätter an die noch wenigen Passanten. »Wir sind gegen gewaltsame Aktionen«, erklärt Schlüter, »aber wir machen uns stark gegen die Zerstückelung des Flughafengeländes.« Es müsse dafür gesorgt werden, dass die Bevölkerung sich das Gelände erschließen kann, so Schlüter. »Auch seitens meiner Partei muss da etwas geschehen.«

Gegen Mittag wird es langsam voller rund um das ehemalige Flugfeld, in der Lichtenrader Straße am südlichen Ende des Areals beginnt ein Familien-Straßenfest: Kindermalen, Hüpfburg und Info-Stände. Oliver vom Bündnis »Mieten Stopp« hofft auf einen Startschuss für eine Bewegung gegen Stadtumstrukturierung und eine Stärkung des Bewusstseins dafür, dass man etwas dagegen tun kann, wenn genug Druck aufgebaut wird. Druck machen wollen Tausende. Am frühen Nachmittag schlendern oder fahren mit dem Fahrrad immer mehr Menschen am Zaun entlang, am Platz der Luftbrücke sammeln sich Demonstranten zu einer Kundgebung. Auch die ersten Sirenen sind zu hören und plötzlich fährt ein Polizeibus vorbei. Darin mehrere Aktivisten der Rebels Clown Army, die den wartenden Demonstranten zuwinken und an den Scheiben kleben – 26 Clowns hatte die Polizei festgenommen, weil sie am Zaun gerüttelt hatten. Zu diesem Zeitpunkt scheint das Startsignal zur Besetzung gefallen zu sein, die Situation wird von nun an völlig unübersichtlich.

Auf dem Columbiadamm werden Leute, die am Zaun wackeln, von Polizisten mit Pfefferspray bedroht. Zwei Wasserwerfer, ein Räumfahrzeug und Mannschaftswagen der Polizei fahren die Straße entlang. Dann erfolgt hier der erste Versuch, den Zaun zu beseitigen. Eine Gruppe linksradikaler Autonomer beginnt die Straße zu blockieren und versucht mit Seil und Enterhaken den Zaun umzureißen. Polizeitrupps sind nach wenigen Augenblicken zur Stelle und gehen gegen die Autonomen vor, es kommt zu Steinwürfen und Festnahmen, Greiftrupps der Polizei stürmen immer wieder durch die Menge der Demonstranten.

Unterdessen hat sich der Columbiadamm in eine Fußgängerzone verwandelt: Menschen tanzen auf der Straße, stehen vor dem Zaun, eine Sambagruppe und Soundsysteme sorgen für Musik. Die Stimmung bleibt trotzdem angespannt.

Wie prekär die Situation ist, zeigt insbesondere die Festnahme eines mutmaßlichen Aktivisten durch einen Zivilpolizisten am Zaun: Der Beamte sah sich anschließend offenbar durch eine 20-köpfige Gruppe bedroht und zog deshalb eine Schusswaffe. Dies sei nur zur Eigensicherung geschehen, betonte gestern ein Polizeisprecher auf ND-Nachfrage. An der Festnahme war auch der Leiter der Polizeipressestelle Thomas Goldack beteiligt. Auch in anderen Bereichen sind an diesem Tag immer wieder brutale Festnahmen und der Einsatz von Pfefferspray zu beobachten.

»Wir wissen von zehn Personen, die bei der Festnahme mit Knüppeln verletzt wurden«, berichtet Beate Beckmann vom Ermittlungsausschuss (EA), der Gefangene juristisch betreut, dem ND. Insgesamt habe der EA rund 150 Festnahmen verzeichnet, von denen alle bis auf eine Person gestern wieder freigelassen worden waren – unter ihnen auch die 26 Clowns. Nach Angaben der Polizei gab es dagegen nur 102 Festnahmen. Genauso widersprüchlich sind die Zahlen über die Teilnehmer: 2000 sagt die Polizei, von 6000 oder mehr spricht »Squat Tempelhof«.

»Uns ist es gelungen, das Thema Tempelhof politisch ins öffentliche Interesse zu rücken«, freut sich Thomas Neurer von dem linken Bündnis. Die Kehrseite der Medaille sei jedoch, dass die Besetzung nicht gelungen ist. Schockiert ist man bei »Squat Tempelhof«, dass ein Beamter seine Waffe zog. Auch das »unverhältnismäßige, brutale Vorgehen« der Polizei gegen friedliche Demonstranten sei inakzeptabel gewesen, so Neurer. Ähnlich kritisierten Politiker der LINKEN und der Grünen den Polizeieinsatz. »Die Polizei ließ jede Deeskalationsstrategie vermissen«, moniert Evrim Baba (LINKE). Benedikt Lux (Grüne) sieht die Polizei derzeit auch unter einem besonderen Druck stehen: Dabei wäre es doch kein Problem gewesen, »das Flugfeld zu öffnen und lediglich die technischen Anlagen zu schützen«.

 

(Aus: Neues Deutschland, 22. 06. 2009)

 


Meinungen

Abgesang

 

Manch Auge mag feucht geworden sein, als die letzten Flieger sich vom Flughafen Tempelhof erhoben. Aber viele Anwohner des ältesten Verkehrsflughafens und letzten Flughafens, der sich in so eng bebautem Gebiet befindet, werden erleichtert aufgeatmet haben. Ist es doch eine Gnade des Schicksals, dass kein gravierender Unfall geschehen ist, denn zwischen 70% und 80% aller Flugunfälle geschehen bei Start und Landung.

Ob irgendwann auch der Irrsinn aufhört, dass „historische“ Maschinen (über 50 Jahre alt) über unseren Köpfen kreisen, ist eine andere Frage, denn die können auch von Schönefeld aus starten. Veteranen sollten allenfalls auf der Straße fahren. Jedenfalls hat das Bündnis gegen die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof der Vernunft zum Sieg verholfen und der Flugbetrieb von Tempelhof aus ist eingestellt.

Nun ist wieder Vernunft gefragt, denn es geht darum, was mit dem ehemaligen Flughafen geschieht. Da stimmt es schon, es hätte längst eine viel breitere Diskussion unter Einbeziehung der Bevölkerung um die Nachnutzung stattfinden müssen. Aber man muss auch nach vorne schauen. So trifft sich nun regelmäßig das Kompetenz-Team zu den Nachnutzungsfragen.

 


Das Kompetenz-Team des Landesverbandes

Die Mühe lohnt sich

Entsprechend dem Beschluss des vorletzten Landesparteitags ist dieses eingerichtet worden. Je zwei von den jeweiligen Bezirken „abgeordnete“ Mitglieder sollen die fachkundige Beteiligung der Basis sicherstellen. Für unseren Bezirk sind dies die Genossen Jörg Ehlebrecht und Andreas Schlüter. Insbesondere mit dem Bezirk Neukölln teilen wir das Anliegen, eine Bebauung auch von Teilen des Areals mit Wohnhäusern und Gewerbebauten zu verhindern. Diese Auffassung ist auch im gesamten Team weit verbreitet und erscheint gerade angesichts der jüngsten finanzpolitischen Krise und den sich daraus entwickelnden wirtschaftlichen Folgen vernünftig, denn es macht keinen Sinn, einem großen Gelände Teile herauszuschneiden, um dann teuren Leerstand zu produzieren.

Der Minimal-Konsens besteht im Team insgesamt hierzu:

  1. Es sind eine Reihe offener Fragen zu klären: a)Ist die Vermarktung von Flächen notwendig für die Entwicklung des Areals? b) Kosten der Altlasten-Sanierung? c)Welche Prognosen für Wohnraumbedarf? d) Auswirkungen auf die benachbarten Kieze?
  2. Dazu brauchen wir weiteren fachlichen Input.
  3. Bis zur Klärung sollte unsere Fraktion einem Änderungsverfahren nicht zustimmen

 

Großen Zuspruchs erfreut sich das Gesamtpark-Konzept, wie unterschiedlich auch die Vorstellungen hinsichtlich der konkreten Gestaltung im Einzelnen sein mögen.

 

Darüberhinaus haben Jörg und Andreas je auch schon konkretere Ideen niedergelegt. Sie werden auch diese noch zugänglich machen.

Wir werden weiter über den Stand der Dinge berichten.

 


"Die Schlacht um die Hauptstadt"

Andreas Schlüter

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Materialien