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Elisabeth Wissel

Radikale „Ertüchtigung“ im Alten- und Lehnepark in Tempelhof

Wer in den letzten Tagen die genannten Parks aufgesucht hat, konnte nur entsetzt sein über das Bild der Verwüstung, das sich da zeigte. Der Dringlichkeitsantrag (Drs. 2069) von DIE LINKE zum Stopp dieser Maßnahmen scheiterte in der letzten BVV an der Zweidrittelmehrheit, die für die Dringlichkeit nötig gewesen wäre, da die Grünen nicht zustimmten. Mit dem Antrag wollten wir den radikalen Zuschnitt und die Fällung der noch anstehenden Bäume im Alten- und Lehnepark in der bisherigen Herangehensweise im Auftrag des Bezirksamts stoppen. Des Weiteren sollten die Anwohnenden bei solchen Maßnahmen nicht nur formal informiert, sondern mit ihren Vorschlägen in den Prozess einbezogen werden. Von Ertüchtigung und Pflege haben die Anwohnenden, die ihre Parks lieben, ein anderes Verständnis, als das vorgefundene Ergebnis in ihrer Nachbarschaft. Bei einem Bürger:innenspaziergang mit Stadträtin Heiß (Grüne) sprach diese sich noch dafür aus, dass die Eiben an der Schönburgstraße nicht zurückgeschnitten werden und alle anderen Bäume nur behutsam. Das Bild, das sich nun bietet ist, ein anderes. Hohe ausgewachsene Bäume wurden bis auf ca. ein Meter zurückgeschnitten. Um die alte Dorfkirche herum wurde radikal gerodet, und an Markierungen an den Bäumen erkennt man, dass an den Wiesen um den Spielplatz, um den Wilhelmsteich und am Rosengarten dieser Kahlschlag fortgesetzt werden soll. Die angebliche Erholungsqualität, die man mit der sogenannten Ertüchtigung der Parks (im Rahmen des Berliner Programms für nachhaltige Entwicklung) herstellen möchte, ist hier sehr zweifelhaft. Die ersten drastischen Eiben-Rückschnitte erfolgten schon 2019 im Lehne- und Franckepark. Der Protest darauf von den Anwohnenden kam postwendend mit einer spontanen Unterschriftensammlung (ca. 400) gegen dieses Vorgehen. Auch der BUND sprach sich gegen diesen radikalen Rückschnitt aus. Es fragt sich, welche Überlebenschancen diese Bäume überhaupt noch haben. Die Argumente von Frau Heiß sind für die Anwohnenden nicht stichhaltig, so sollen mit dem radikalen Rückschnitt „Angsträume“ beseitigt werden. Da hätte es auch gereicht, die unteren Äste der Bäume zu beseitigen. Auch das Argument zur Herstellung des „historischen Zustands“ greift zu kurz. Diese Pläne wurden vor über 100 Jahren erstellt, aber heute leben wir in Zeiten des Klimawandels und des Artensterbens. Eine behutsame Pflege wäre angemessen, aber keine Naturzerstörung, wie sie derzeit stattfindet.

Elisabeth Wissel