Zum Hauptinhalt springen

Maja Jamal Eddine und Ellen Ehmke: Unsere Spitzenkandidat*innen für die Bezirkspolitik im Interview

Ellen Ehmke und Maja Jamal Eddine

Am 07. Juni wurde Ellen Ehmke von unserer Mitgliederversammlung zur Kandidatin als Stadträtin/Bezirksbürgermeisterin gewählt, im Interview erklären sie und Maja Jamal Eddine – unsere BVV-Kandidierende auf Platz 1, was sie in der BVV und im Bezirksamt erreichen wollen und was ihre persönliche Motivation ist. 

Maja, du bist unsere Spitzenkandidatin für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Warum hast du dich entschieden für Die Linke zu kandidieren?

Ich habe lange überlegt, wie ich mich außerhalb meines Lehrerberufs engagieren kann. Als Lehrerin habe ich mich viele Jahre dafür eingesetzt, Kindern eine bessere und gerechtere Zukunft zu ermöglichen. Dabei bin ich jedoch immer wieder an Grenzen gestoßen. In meinem Berufsalltag sehe ich viele Stellschrauben, die Ungerechtigkeiten sichtbar machen und manchmal sogar verstärken, anstatt sie zu beheben. Deshalb habe ich mich gefragt, wie und wo ich trotzdem etwas verändern kann und wo ich meine Erfahrungen noch stärker einbringen kann.

Im Schulalltag habe ich immer wieder erlebt, dass Lehrkräfte, Erzieher*innen sowie Schulsozialarbeiter*innen u.v.m. oft vor allem versuchen, ein System am Laufen zu halten, das an vielen Stellen bereits an seine Grenzen stößt. Viele Beschäftigte arbeiten am Limit, und gleichzeitig fühlen sich zu viele Kinder, Jugendliche und Familien nicht ausreichend gehört.

Genau deshalb möchte ich mich politisch engagieren. Die Linke vertritt Werte, die mit meinen eigenen übereinstimmen: Menschlichkeit, Solidarität, die Stärkung benachteiligter Menschen und die Vision eines gerechteren Lebens für alle.

Ellen, du wurdest kürzlich nominiert als Kandidatin der Linken als Bezirksstadträtin / Bezirksbürgermeisterin. In Tempelhof-Schöneberg wäre es das erste Mal, dass die Linke nicht nur in der BVV sitzt, sondern auch im Bezirksamt. Was ändert das aus deiner Sicht?

Ich möchte auf dem aufbauen, was die BVV Fraktion der Linken schon erreicht hat: Sie setzt sich seit Jahren erfolgreich für die Anliegen von Jugendlichen, Senior*innen, Mieter*innen, Radfahrenden, für Bezieher*innen von Sozialleistungen, Anwohner*inneninitiativen und mehr ein. Mir ist es wichtig, dass wir das Bezirksamt nutzen um, Barrieren für Antragsteller*innen von Leistungen abzubauen, Initiativen mehr Räume zur Verfügung zu stellen, und Vermieter in die Pflicht zu nehmen, die Gesetze nicht befolgen. Die Linke in Friedrichshain-Kreuzberg hat es vorgemacht: dort hat das Bezirksamt gegen überhöhte Mieten geklagt und Recht bekommen. Auch hier können wir Menschen unterstützen, die sich gegen ihre Verdrängung wehren und so konkret zu einem bezahlbaren, lebenswerten und solidarischen Tempelhof-Schöneberg für alle beitragen.

Maja, was sind die Themen und Anliegen, für die du dich besonders einsetzen willst?

Ich würde gerne eine Brücke zwischen den Bürger*innen und Bürgern und der Politik schaffen. Mir ist wichtig, die Anliegen der Menschen zu vertreten und dafür zu sorgen, dass sie sich gehört fühlen.

Ich möchte mich dafür einsetzen, dass ein besseres Leben in Tempelhof-Schöneberg möglich ist. Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche: von mehr Gerechtigkeit beim Wohnen und bei den Mieten über die Förderung von Initiativen und Vereinen bis hin zum Einsatz für mehr Gemeinschaftsschulen und damit mehr Chancengerechtigkeit und die Stärkung von einem demokratischen Miteinander.

Außerdem ist mir wichtig, dass alle Menschen in unserem Bezirk die gleichen Chancen auf Teilhabe haben. Auch mehr kulturelle Angebote im Bezirk sind mir wichtig.

Das sind Themen und Anliegen, die ich gerne voranbringen und aktiv mitgestalten möchte

Ellen, welche Themen oder Anliegen sind dir besonders wichtig?

85% aller Berliner*innen wohnen zur Miete, und deren Anstieg kennt kein Ende. Je mehr Menschen für die Miete ausgeben, umso weniger Geld bleibt für den Rest des Lebens, für Essen, Anschaffungen, Kultur. Wenn niemand mehr in die Pizzeria um die Ecke geht, oder Brötchen beim Bäcker holt, dann machen die Läden irgendwann zu. Und je länger wir für unsere Miete arbeiten, desto weniger Zeit bleibt für Muse, Gemeinschaft und Politik. Das heißt Menschen haben weniger Zeit, um Kultur zu genießen oder sich in Beteiligungsprozesse einzubringen, und so mitzubestimmen, wie sich ihr Kiez entwickelt. Wir wollen die Teilhabe von Menschen verbessern, die wenig Zeit und Geld haben. Wir brauchen barrierearme, saubere, einladende öffentliche Räume, in denen Menschen einander begegnen und miteinander ins Gespräch kommen können. Einsamkeit ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem. Nicht zuletzt ist eine bürger*innenfreundliche Verwaltung gerade für diejenigen wichtig, die häufig mit Behörden in Kontakt sind. Dazu zählen Familien, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und Bezieher*innen von Wohngeld. 

Ellen, was macht Tempelhof-Schöneberg so besonders?

Die Mischung! Tempelhof-Schöneberg ist Berlin in klein. Wir haben ein bisschen was von allem: Zum Bezirk gehören innerstädtische wohlhabende Kieze rund ums KaDeWe und Friedenau. Der Schöneberger Norden ist dicht bebaut und hat den traurigen Rekord der berlinweit höchsten Neuvermietungspreise. Das führt zu einer starken Verdrängung von Anwohner*innen und eingesessenen Geschäften. Außerhalb des Rings wird es grüner. Dafür fehlt es in der Großwohnsiedlung Waldsassener Straße in Marienfelde und in Alt-Lichtenrade an Geschäften. Berliner Mischung heißt für mich Vielfalt und Unterschiede wertzuschätzen, und nicht Ungleichheiten hinzunehmen. Daher ist es wichtig, dass wir mit Blick auf ÖPNV-Anbindung, Verkehrslärm, Stadtgrün, Gesundheitsangebote und Kultur Ungleichheiten abbauen und in allen Quartieren zu einer hohen Lebensqualität beitragen. . 

Maja, wie sieht deine Verankerung im Bezirk aus?

Ich liebe die Vielfalt in diesem Bezirk und das Miteinander der Menschen. In vielen Kiezen fühlt man sich sofort heimisch. Es gibt noch viele kleine Geschäfte, viel Grün für Ausflüge und Erholung und gleichzeitig eine gute Anbindung, wenn man schnell in die Innenstadt möchte.

Genau diese Mischung macht Tempelhof-Schöneberg für mich besonders. Vieles davon möchte ich erhalten und dort, wo es nötig ist, weiter verbessern – zum Beispiel beim bezahlbaren Wohnen, bei den Chancen für Kinder und Jugendliche oder bei der Unterstützung von Vereinen und Initiativen, die unseren Bezirk lebendig machen.

Zurück zum Kopf der Seite