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Sommeruniversität der Europäischen Linken

Seminar: The Ideological Struggle about History, Opposing Historical Revisionism

Portaria, 19.7.2012

Anti-Kommunismus als ideologische Grundlage für neoliberale Reformen und die Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung für reaktionäre Politik – das war das Thema dieses Seminars. Der griechische Professor Prokopis Papastratis erläuterte die Instrumentalisierung von Geschichtsschreibung am Beispiel des griechischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Seit einiger Zeit werde in einer wissenschaftlich verbrämten revisionistischen Anstrengung versucht, die Rolle der Kommunisten im Widerstand neu zu bewerten bzw. abzuwerten als schierer Kampf um die politische Macht. Das geht teilweise so weit, dass der sogenannte „rote Terror“ dazu hergenommen wird, Kollaboration mit den Nazis im Nachhinein zu rechtfertigen. Kollaborateure aus der Zeit der Nazi-Besatzung wurden in Griechenland nie vor Gericht gestellt.

Welch weitreichende politische Konsequenzen der Geschichtsrevisionismus in der Gegenwart haben kann, wurde anhand von zwei Beispielen aus Osteuropa erschreckend deutlich. Die kommunistische Abgeordnete Inna Supac aus Moldawien verwies dazu zunächst auf Schul- und Studienbücher, in denen mittels unsinniger Vergleiche zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus grobe Geschichtsumdeutung betrieben wird. Das rumänische Antonescu-Regime, das mit den Nazis zusammengearbeitet und Moldawien im Zweiten Weltkrieg besetzt hatte, findet unter der gegenwärtigen liberal-konservativen Regierung Moldawiens eine massive Aufwertung. Supac kritisierte, dass die EU auf diesen Revanchismus nicht reagiert, und sprach von Doppelstandards. Mit Beispielen u. a. aus Tschechien (Verbotsverfahren gegen die KP) und Estland (Auszeichnung für Veteranen der Waffen-SS) illustrierte sie den aggressiven Anti-Kommunismus in Osteuropa. Dem stellte sie einen in ihren Augen vergleichsweise entspannten Umgang in Deutschland und Westeuropa mit kommunistischen Spuren und Symbolen gegenüber (Sowjetpanzer an der Straße des 17. Juli), zugleich bewusst, dass auch hier Kämpfe um die Deutung von Geschichte stattfinden (siehe Diskussion um Marx-Engels-Denkmal in Berlin). In Moldawien wird nun versucht, die Kommunistische Partei, die von 2001 bis 2009 regierte und nach wie vor rund 40 Prozent der Wähler repräsentiert, zu liquidieren – mit dem Einverständnis der EU! –, weil sie sich der neoliberalen Strukturanpassung widersetzt. Die Symbole der KP, Hammer und Sichel, sind bereits verboten. Supac rief Linke in anderen Ländern dazu auf, sich dem Revisionismus, etwa in Lehrmaterialien, zu widersetzen und Staatsbesuche rechter Regierungschefs für Proteste gegen die Repression in Osteuropa zu nutzen.

Den Zusammenhang zwischen Revisionismus und neoliberaler Reformpolitik stellte auch die Ökonomin Ilona Svihlikova aus Tschechien her. Mit der Integration Osteuropas als Peripherie in die globale Weltwirtschaft durch eine ultra-neoliberale Strukturanpassung seien Begriffe wie „sozial“ und „solidarisch“ mit einer negativen Konnotation belegt, Kapitalismus hingegen mit Demokratie gleichgesetzt worden. „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft.“ So beschrieb sie die Funktion der Geschichtsdeutung für die Durchsetzung neoliberaler Politik. Gesellschaftliche Alternativen würden diskreditiert. Widerstand gegen Kürzungspolitik etwa werde mit Stalinismus assoziiert. Dabei nutzten die Herrschenden das aus der realsozialistischen Epoche geerbte Schwarz-Weiß-Denken. Gegen die einseitige Medienpropaganda helfe nur, alternative Kommunikationsstrukturen zu entwickeln. Und schließlich, so Svihlikova, werde die soziale Realität ihres Landes als objektiver Faktor gegen die neoliberale Propaganda wirken.

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