Im Nationalsozialismus verfolgte Angehörige der Bezirksversammlungen Schöneberg und Tempelhof

Andreas Bräutigam

Mit der Bildung von Groß-Berlin am 01. Oktober 1920 wurden auch die Bezirksversammlungen als demokratische parlamentarische Interessenvertretung auf der Bezirksebene eingeführt. Bereits 1931 begann mit der Kommunalreform aber schon wieder die Entdemokratisierung. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten waren die Wahlen im März 1933 dann von Repressalien gegen die Parteimitglie der von KPD und SPD geprägt bis die Bezirksversammlungen und ihre Gliederungen im Juli 1934 endgültig aufgelöst wurden. Bezirksverordnete wurden verfolgt, erlebten Entlassungen, antisemitische Ausgrenzungen, Hausdurchsuchungen, Haft oder Ermordung.

Seit dem 18. April 2024 werden diese Vorgänge in Tempelhof und Schöneberg in einer Ausstellung „Spurensuche Demokratie“ beschrieben und die Biografien von 16 verfolgten Abgeordneten (fünf Frauen und elf Männer) nachgezeichnet.

Die zentrale Ausstellung befindet sich am Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße (Öffnungszeiten Di, Mi, Do, Sa und So 13-18 Uhr). Hier wurden 1933 die Abgeordneten Franz Czeminski, Wilhelmine Diederich und Erich Flatau inhaftiert. Weitere Standorte der Ausstellung sind das Rathaus Schöneberg (Foyer und Ausstellungshalle WIR WAREN NACHBARN) und das Rathaus Tempelhof (Außenvitrine).

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Oktober 2024 zu sehen. Im Begleitprogramm finden Ausstellungsgespräche, historische Stadtspaziergänge (im Rahmen der Bezirkstouren) und Vorträge statt. Die zeitgleich erschienene Dokumentation enthält die in der Ausstellung gezeigten Biografien und weitere Hintergrundinformationen (https://www.gedenkort-papestrasse.de/Sonderausstellungen.html).
Andreas Bräutigam